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REVERSE COLONIZATION


Reverse colonization lässt sich die massenhafte sexuelle Ausbeutung, ja Versklavung weißer englischer Mädchen in Rotherham durch Männer aus den ehemaligen Kolonien, besonders Pakistan nennen. Sie haben den Spieß umgedreht, denn sie rächen sich dadurch an dem Land, in das sie eingewandert sind, weil es früher als imperialistische Macht ihr Land kolonisiert und ausgebeutet hat, auch sexuell: Denn immer werden auch die Körper der Mädchen und Frauen Beute der Invasoren. Warum dürfen Männer aus der Dritten Welt das? Warum lässt ein (noch) dominierendes weißes Establishment so etwas zu und vertuscht es? Um Ausländerfeinden keine Munition für ihre Hetze zu bieten - so das Argument der Gutmenschen, das sich als Ausrede, als Rationalisierung, als Tarnung erweist, wenn man das wahre Motiv freilegt. Das aber ist verdrängt, im Unterbewusstsein verborgen. Um es zu enthüllen, behalten wir - fürs erste - den Tatort England im Auge, wenden uns aber fiktiven Werken, Horrorromanen zu, die dort geschrieben wurden, da solche Fantasieprodukte oft Ängste und andere Emotionen spiegeln, die verdrängt, aber virulent sind. Auch der Begriff reverse colonization entstand durch die Beschäftigung mit solcher Literatur. Kein Journalist, kein Soziologe, kein Politologe, sondern ein Literaturwissenschaftler hat ihn geprägt. Von reverse colonization spricht der Anglist Stephen Arata, wenn eine Kolonialmacht Ziel einer Invasion aus einem Land wird, das sie kolonisiert hat. Arata verwendet den Begriff, als er Bram Stokers Horrorroman Dracula analysiert. Der Vampir landet mit seinem Geisterschiff in der Hafenstadt Whitby, springt in Gestalt eines Wolfes an Land und vampirisiert die junge Britin Lucy Westenra, damit sie als erste Mitglied der Parallelgesellschaft aus Seinesgleichen wird, die er in Großbritannien gründen will. Das Blutaussaugen steht für Ausbeutung, denn durch das Blut, das er saugt, wird er stärker und sein Opfer, auf dessen Kosten erlebt, schwächer. Auch sexuelle Ausbeutung, Vergewaltigung ist damit gemeint, denn das Hineinbohren der Zähne in den Körper des Opfers symbolisiert natürlich brutale sexuelle Penetration. Dracula kommt aus Transsilvanien, steht aber für einen Kolonisierten aus Arabien, Schwarzafrika oder Irland (1). Der stolzen Kolonialmacht widerfährt also, was sie selbst so vielen Völkern angetan hat, an deren Küsten sie mit ihren Kriegs- und Handelsschiffen landete, sie kolonisierte und die Menschen nicht nur ökonomisch, sondern auch sexuell ausbeutete. Dass Dracula England heimsucht, lässt sich als ausgleichende Gerechtigkeit deuten, als Rache der Kolonisierten, die den Spieß umdrehen und die imperialistische Metropole terrorisieren. Solche Werke nennt die Literaturwissenschaft Invasionsliteratur. Dazu gehört auch der Science-Fiction-Roman Krieg der Welten, in dem H. G. Wells seine Heimat England durch Marsmenschen kolonisieren und ausbeuten lässt.

Was treibt nun britische Autoren dazu, solche Horrorfantasien auszubrüten? Angst und Schuldgefühl. Angst der dekadent werdenden Bewohner der westlichen Zivilisation vor einem Gegenschlag der von ihnen Kolonisierten, die weniger zivilisiert und deshalb auch von der Zivilisation nicht oder weniger angekränkelt, also gesünder und stärker sind. Vor allem aber ein Schuldgefühl (2), das typisch für den westlichen Menschen ist und ihn quält, weil er durch Korrumpierung, Ausbeutung und oft auch Ausrottung naturnah lebender Menschen der Dritten Welt selber widernatürlich, konsumsüchtig, verweichlicht, mit einem Wort, dekadent geworden ist. Da dieses Schuldgefühl seinem Selbstwertgefühl schadet, will er es nicht wahrhaben, sondern verdrängt es zumeist, wodurch es nicht weg ist, sondern aus dem Unterbewusstsein heraus Regie führt, wenn zum Beispiel Romane wie Dracula oder Krieg der Welten entstehen, wenn Polizei, Jugendamt und Medien in Rotherham die jahrelange und massenhafte sexuelle Ausbeutung weißer Mädchen vertuschen oder NRW-Polizei sich nicht dazu durchringen kann, Verstärkung anzufordern, als in der Kölner Silvesternacht westliche Mädchen und Frauen massenhaft sexuelle Beute von Männern aus der Dritten Welt wurden. Von Invasionsromanen und auch Invasionsfilmen erhoffen wir uns deshalb Aufschluss  über das beunruhigende Phänomen des westlichen Selbsthasses, aus dem ein masochistisches Strafbedürfnis fließt, so dass wir im Westen Einwanderern aus der Dritten Welt so viel durchgehen lassen - daher werden hier folgende Analysen zur Invasionsliteratur geboten:



1) Zu Draculas irischem Migrationshintergrund vgl. Joseph Valente: Dracula's Crypt. Bram Stoker, Irishness, and the Question of Blood. 2002, vor allem S. 60ff.

2) Vgl. Arata S. 623: "Dracula enacts the period's most important and pervasive narrative of decline, a narrative of reverse colonization. ... In whatever guise, this narrative expresses both fear and guilt. ... As fantasies, these narratives provide an opportunity to atone for imperial sins, since reverse colonization is often represented as deserved punishment."


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