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Fein und zart, ganz fein und zärtlich
Pfiff etwas im Tannenbaum,
Und ein Kind mit schwarzen Augen
Sah ich da in meinem Traum.

Schöne Tanne, ach du blutest
Heißes Harz in deinem Schmerz.
In der Nacht, der schönen, sägt mir
Eine Säge so durchs Herz.

8. August 1916

Das lyrische Ich, das eine Frau ist (1), träumt von einem Kind, das sich in einem Tannenbaum befindet, denn dieses Kind ist es wohl, das der Träumenden zupfeift, um sie auf sich aufmerksam zu machen, und zwar pfiff es "im Tannenbaum". Es befindet sich im Baum wie ein Ungeborenes geborgen in der Mutter - dieses Bild beruht auf dem Archetypus Baum als Mutter. Das ändert sich in der zweiten Strophe. Der Baum wird entzweigesägt, verspürt Schmerz und blutet. Das symbolisiert die Geburt des Kindes, die schmerzlich und blutig ist, auch für die Mutter.

1) Man erkennt das Geschlecht der Sprechenden an der weiblichen Endung von uvidela "sah ich". Die russische Sprache hat in diesem Punkt Ähnlichkeit mit der lateinischen, mit der sie als indogermanische Sprache verwandt ist. Endungen verraten das Geschlecht. "Ich habe gesprochen" heißt "locutus sum", wenn es ein Mann schreibt, und "locuta sum", wenn es eine Frau schreibt.

   
 
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