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Die USA bekommen ihren ersten schwarzen Präsidenten, Obamania beflügelt die Herzen nicht nur der Afroamerikaner und Latinos – ein Neidhammel, wer ihre Begeisterung für eitel erklärt, ein Rassist, wer sie ihnen nicht gönnt! Die Obamanie speist sich jedoch auch aus missionarischen Erwartungen an den charismatischen neuen Mann, der die Nation aus ihrer heillosen Verstrickung im Irak erlösen, aus der lähmenden Wirtschaftsdepression herausführen und ihr wieder Optimismus einhauchen soll.
Eine Nation, die ja aus sterblichen Menschen besteht und deshalb biologischen Gesetzen unterliegt, lässt sich mit einem Körper oder Organismus vergleichen. Dann ist dem Gesellschaftsorganismus USA die Diagnose zu stellen: Durch Irakkrieg und jahrzehntelangen ungehemmten Konsum auf ungedeckte Wechsel hat er von seiner Substanz gezehrt und ist gefährlich geschwächt. Die Sehnsucht nach einem Heiland, die sich nun auf Obama richtet, ist ja menschlich. Ein Patient sehnt sich nach einem charismatischen Arzt – solche Götter in Weiß bietet uns das Fernsehen in Krankenhausserien, ein Schlager war die Schwarzwaldklinik. Den gesundheitlich angegriffenen USA soll Obama der rettende Engel sein. Nicht wahr, man kann ihn sich als Arzt vorstellen! Lächelnd in weißem Kittel. Als Nachfolger von Professor Brinkmann flögen ihm die Herzen zu.
Leider ist die Realität keine Soap. Sollte die Obamanie in einigen Monaten immer noch  unverändert anhalten, statt Ernüchterung zu weichen, wäre sie nicht mehr (nur) gesunde Begeisterung, sondern (auch) Euphorie, die die Wirklichkeit vernebelt.
Keinen TV-Doktor haben die USA nötig, sondern einen, der ihnen bittere Medizin in Gestalt schmerzhafter Reformen verschreibt. Und das Skalpell zückt. Mit faulen Krediten finanzierte maligne Auswüchse: die protzigen Autos, die sündhaft teuren Immobilien, der hypertrophe Militärapparat, alles panzerartige, festungsartige Erweiterungen eines verängstigten Ichs, saugen dem Organismus Kraft aus, die er nicht mehr regenerieren kann. Obama als Chirurg – nicht mehr charismatisch, aber heilsam.
Und: Ein Organismus, der so lange in schwelgerischer Maßlosigkeit konsumierte, ist verfettet, seine Speckschicht schützt nicht, sondern bedroht die Gesundheit. Hoffen wir, die Finanzkrise ist ein warnender Kreislaufzusammenbruch und nicht schon der Infarkt. Ist Obama ein seriöser Arzt, verordnet er seiner Nation eine Fastenkur, Romantik a la Schwarzwaldklinik dürfte sich dann vollends verflüchtigen und zu Hilfe käme Humor a la Asterix  und der Avernerschild, wo Majestix strenge Diät hält, obwohl er der Häuptling ist. 

November 2008


Nachtrag 7. März 2009:

Fastenkur? Nicht für Polen. Das Land ist nicht verfettet, denn seine Staatsverschuldung ist maßvoll geblieben. Und es achtet auf seine schlanke Linie, indem es mit striktem Sparkurs durch die Finanzkrise steuert - so der Tenor seines Finanzministers Jacek Rostowski, der in der FAZ (7. März 2009, S. 5) dem Westen die Leviten liest:

Nein, wir sind nur später gestartet. Der Kapitalismus hat bei uns erst vor 20 Jahren begonnen. Wir hatten einfach nicht die Zeit, so viel Schulden zu machen und so viel Speck anzusetzen. Wir sind da wie ein Zwanzigjähriger, der vielleicht zwei Gläschen zu viel genommen hat, während westliche Ökonomien mich an alte Männer erinnern, deren Lebern nach unendlich vielen Gelagen längst hinüber sind.

Der Westen soll ja abspecken. Haben seine Politiker erklärt. Im Prinzip. De facto aber setzt er noch mehr Speck an, um Unsummen in marode Banken zu schaufeln. Und in Opel? Und und und? Wie Majestix, der sich zur Kur aufgerafft hat, aber auf dem Weg dorthin keine Gelegenheit zur Völlerei auslässt. So auch Deutschland. Hoffentlich sind es keine Henkersmahlzeiten vor dem Schlaganfall! Hilft bald nur noch Galgenhumor?

   
 
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