Home
So sehe ich aus
Aktuelles
Essays
1968ff - Romanauszüge
Lyrik
Im Park
Nachts
Sandkasten
Die Uferschwalbe
Aufbruch
Wind
Flugangst
Fernweh
Abhauen
Baumhaus
Kindergeburtstag
Trauerarbeit
Rettung einer Pizzabotin
Wiedergeboren als Nuttenpudel
Wiedergeboren als Wespe
Hafturlaub
Wikingerjunge
Ein Mädchen- und ein Jungenrad
Kurzgeschichten
Zwetajewa: Lyrik
Selbsterlebtes
Interpretationen
Archetypen
Verschiedenes
Архетипы и интерпретации
Archetypes
Gästebuch
   
 


Ich habe dich mit Einfühlung begnadet.
Du hast in jede Seele, die dir bloßlag,
nur Gift, nicht Rat und Trost geflößt.
Zehn Leben sollst du leben als Geschmeiß.

Mama hat eine Spinne
mit ihrem Gift gelähmt,
lebendig begraben
und mich hineingezeugt.
So war mein Essen immer frisch.
Ich muss wohl fünfmal so geboren werden,
bis mir das schmeckt.
Ich mag dies Leben nicht.
Ich muss dies Leben mögen,
sonst bin ich undankbar.
Für mich hat Mama ja
ihr Leben eingesetzt
und einen Martertod riskiert,
denn machmal siegt die Spinne.

Ach, die zwei
Riesenmädchen da im Freibad!
Darf mich schon Mama
nicht selbst ausbrüten -
in die soll sie mich zeugen,
ganz nah der Lunge.
Ich tu dir nicht weh,
ich nage nicht
an deinem Fleisch.
Nur ein paar Tröpfchen Blut am Tag
sind schon genug -
Kinderblut: frisches Blut,
Riesenblut: Powerblut!
Die Nacht wird lang. Dein Atem wiegt mich sanft in unsren Schlaf.
Die Sonne scheint. Du spielst so ausgelassen, tollst herum,
saugst gierig Luft ein, Luft mit deinen jungen Lungen, Riesenlungen,
Luft, in der ich fliegen werde, wiegt und wogt mich, weiter so!

Dann beiß ich mich heraus.
So drei, vier Bisse,
das tut ein bisschen weh,
ist aber nichts
mit einer Menschenniederkunft verglichen.
Vergiss die Zwergenwunde,
sieh deinem Kind mit stolzem Blick nach, du junge Mutter,
wie es mit frischem Schwarz und Gelb
ins Leben fliegt!
Schenkst du mir, lieber Gott,
solch eine Neugeburt,
wenn ich mein Wespentum
treu deinem Plane lebe?

Du Riese bist der Vater der einen, nicht wahr?
Ach, ich errate deinen Kummer!
Dein Kind wird flügge,
und du bist abgemeldet.
Diese Freundin ist jetzt Nummer Eins.
Da sitzen sie im Gras
und stecken die Köpfe zusammen.
Was habt ihr denn zu kichern?
Heckt ihr was aus?
Soll da was steigen
hinter seinem Rücken?
Reißt ihr etwa Witze über ihn?!
Verstohlen schielst du zu ihr hin.
Ich soll sie stechen! - les ich an deinen Augen ab.
Ich seh sie mir jetzt an - doch Vorsicht!
Ich darf mich nicht so nah im Gras verstecken.
Sie sind so impulsiv, die Riesenkinder!
Sie sehen was und springen auf
mit ihren blanken, festen Füßen
und rennen hin: Zack, bist du totgetreten!
Ich bleibe in der Luft.
Die Riesenmünder
kichern frech und blecken
weiße Schneidezähne. Zwei sind so groß wie ich.
Tropfen, groß wie mein Kopf,
perlen ihre Haut hinunter.
Sie waren zusammen im Wasser.
Da, wo das Schulterblatt sich regt,
da kommt sie mit der Hand schlecht hin.
Da stech ich
Aaaaaah - wie mein Stachel sich leert!
Gott, du hast Angst
in die Lust gemischt.
Es muss so schnell gehn: Klatsch, bist du tot!
Schenkst du mir, lieber Gott, ein zweites Wespenleben,
in dem das nicht so ist,
wenn ich mein Wespentum
treu deinem Plane lebe?

Heh, heh, die tolle Freundin
ist kreischend weggelaufen
und glotzt wie aufgescheucht
im Luftraum rum,
als ob ich sie umkreise!
Eine feine Freundin, echt,
hast du da für deine Abenteuer!
Trost und Schutz gibt's nur beim Vater.
Er hält dich fest in seinen Armen
und streichelt dich.
Mal näher hin: Du weinst ja!
Ach, von deinen Kullertränen
würd ich gerne naschen!
Aber du sollst ja
keine Angst
in seinen Armen haben.
Was guckst du denn so böse, Riese?
Ich tu euch nichts, nur gucken!
Die Schwellung gucken. Die ist so groß wie ich.
Was wirst du denn so wild?
He, lass die Zeitung liegen!
He, he, he, he, ich bin dein Freund und Helfer,
hab dir dein Kind in die Arme getrieben!
Zum Dank schlägst du mich tot?
Ich hab doch auch eine Seele
und mir kommt Würde zu!

   
 
Top