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Den Wähler kränkt es, wenn man seine Ängste als Hysterie oder Ressentiments abfertigt, wie es die linken Volkserzieher so gerne tun. Deshalb nimmt die Bundesregierung diese Ängste ernst, zusätzliche Polizisten auf Bahnhöfen und Flugplätzen bestätigen uns durch ihre schwerbewaffnete Anwesenheit, dass wir keine Neurotiker sind, sondern Ängste haben, die einer realen Bedrohung angemessen sind - de Maizière denkt schon an die nächsten Wahlen.
Auch die Psychoanalyse  nimmt Ängste ernst, da sie Folge einer seelischen Störung sind - oft fließen sie aus einem schlechten Gewissen, für das der Mensch des american way of life nur allzu guten Grund hat, lebt er doch seine Konsumsucht auf Kosten der Enkel (Stichwort: Staatsverschuldung), der Umwelt und der Dritten Welt aus, besonders zur Weihnachtszeit. Für diese auf al-Qaida projizierte Gewissensangst gibt Franz Josef Wagner wieder einmal ein
verräterisches Beispiel:

Ende November, sagen Sie, plant al-Qaida einen Terroranschlag in Deutschland. Sie mahnen uns zur Wachsamkeit. Leider bin ich nicht geübt in Wachsamkeit. Soll ich mich umdrehen, wenn ich abends in die Kneipe gehe, ob mir ein finsterer Geselle folgt?

Der finstere Geselle ist die verdrängte und abgespaltene Stimme des Gewissens, das ihn als überwachende Instanz mit seinen Vorwürfen bis in die Kneipe verfolgt.

Ende November öffnen die Weihnachtsmärkte. Soll ich „110“ anrufen, wenn zwei Typen nicht Glühwein trinken und arabisch reden?

Auch diese arabischen Typen, die den Konsum verweigern, verkörpern das schlechte Gewissen, das Franz Josef Wagner auf den Weihnachtsmarkt begleitet.

Nach der Bedrohungs-Aussage des Innenministers können all diese Menschen mit ihren Tüten, Einkäufen, Steiff-Teddys zerfetzt am Boden liegen. In dieser Furchtbarkeit hat er das nicht gesagt. Er hat es angedeutet.

Solch eine terroristische Fantasie gegen Konsumenten kennen wir von Flugblättern, mit denen 68er zu Kaufhausbrandstiftung aufriefen: Burn, warehouse, burn! Warum brennst du, Konsument? ...dieses knisternde Vietnamgefühl..."

Meine Lebenswelt basiert auf Vertrauen. Das schöne Bummeln durch die Weihnachtsmärkte, im Steiff-Laden ein Einhorn für meine Enkelin kaufen. Was ich sagen will ist, wie schön unser innerer Frieden war.

In der Konsumstimmung, in die der fantasierte Weihnachtseinkauf den Autor versetzt hat, fällt ihm seine Enkelin ein und er kauft ihr im Steiff-Laden ein Einhorn. Warum gerade ein Stofftier mit einem Horn? Und warum liefert er das Stichwort Steiff mit? Auch da kann der Freudianer ansetzen.
Nein, unser Konsum ist nicht unschuldig. Wir müssen unser schlechtes Gewissen ernst nehmen!


18. November 2010


Fortsetzung:

Am nächsten Tag macht sich Franz Josef Wagner Gedanken, woher diese Angst kommt:

Böses Wort Terror - Terror ist lateinisch, das Verb terrere bedeutet erschrecken. Das Wort ist über 2000 Jahre alt. Historiker übersetzen terrere auch mit: „die aus dem Untergrund kommen“.

Terra – die Erde.

2000 Jahre später ist Deutschland in Terror-Angst. Irgend- etwas kommt unsichtbar aus der Erde.

Streng wissenschaftlich ist das ja nicht, aber ich nehme es ernst, weil etwas dran ist: Mutter Erde ist die älteste und mächtigste der unteren, chtonischen Gottheiten. In ihrer Tiefe wohnen die Erinnyen, Rachegeister der griechischen Mythologie, die schuldbeladene Menschen verfolgen und terrorisieren.  So schildert Homer in der Ilias (IX, 568ff.), wie eine Frau, der bitteres Unrecht durch ihren Sohn  geschah, die Rachegeister aus der Erdentiefe heraufruft:

Viel mit den Händen auch schlug sie die nahrungssprossende Erde,
Rufend zu Hades Macht und der schrecklichen Persephoneia,
Hingesenkt auf die Knie‘, und netzte sich weinend den Busen,
Tod zu senden dem Sohn; und die wütende grause Erinnys
Hört‘ aus dem Erebos sie, das nachtdurchwandelnde Scheusal.

Hades und Erebos sind griechische Namen für die Unterwelt, aus der die Rachegeister emporsteigen. Auch die menschliche Seele hat eine Unterwelt, oder wie Wagner es nennt, einen Untergrund: das Unterbewusstsein. Dort befindet sich alles Verdrängte, auch die Stimme unseres Gewissens landet dort, wenn wir sie uns aus dem Sinn schlagen, aus unserem Paradies vertreiben, weil sie nervt, Angst macht, kränkt. Doch spätestens seit Freud steht fest: Was wir verdrängt haben, ist nicht unschädlich gemacht, sondern wirkt aus dem Untergrund unserer Seele heraus in anderer Gestalt. Haben wir der Stimme des Gewissens, das unseren weihnachtlichen Konsum-Exzess verdammt,  als persona non grata Einreiseverbot in unser Bewusstsein erteilt, so kommt sie zum Beispiel getarnt als Araber, der keinen Glühwein trinkt, versetzt uns in Angst und Schrecken und verdirbt uns die Freude auf dem Weihnachtsmarkt.

19. November 2010

   
 
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