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Craig Ewerts Freitod soll heute im deutschen Fernsehen gezeigt werden. Die evangelische Landesbischöfin Käßmann lehnt die Ausstrahlung ab:

Nach meinen Erfahrungen mit Sterbenden ist Sterben ein sehr persönlicher, ja intimer Vorgang. Das braucht einen geschützten Raum, damit die Würde des Menschen gewahrt wird.

Ins gleiche Horn stößt ihr katholischer Kollege, Weihbischof Anton Losinger. Er lehnt "eine solche öffentliche Prostitution des Sterbens" ab, da "Sterben etwas vom Intimsten und Existentiellsten im Leben eines Menschen ist" und nicht "spektakulär" gemacht werden darf.
Oh, ihr Christen! Ihr stellt doch millionenfach das qualvolle Sterben Jesu an euren Kruzifixen zur Schau. Es ist ja auch kein persönlicher und intimer Vorgang, sondern geht die Christenheit an. Christi Tod ist das blutige Menschenopfer, das euren zürnenden Gott versöhnt und eure Erlösung erkauft.
Sterben kann auch von öffentlichem Belang sein. Zum Beispiel, wenn christliche Inquisitoren Ketzer verbrannten. Nach Meinung der Kirchenoberen war das kein intimer Vorgang, der in einen geschützten Raum gehört, sondern in die Öffentlichkeit, um die Menschen von ihrem Selbstbestimmungsrecht in punkto Glauben, Denken und Forschen abzuschrecken.
Auch Craig Ewert stirbt öffentlich, aber nicht, um abzuschrecken, sondern um einzuladen: Fürchtet euch nicht! Ein Tod in Würde, in Selbstbestimmung steht euch offen!
Den heutigen Bevormundern passt das nicht. Für sie ist das Leben ein Geschenk Gottes, das gefälligst bis zum bitteren Ende gelebt werden muss. Craig Ewert sieht das anders:

Wenn ich erstmal komplett gelähmt bin, dann bin ich nur noch ein lebendes Grab, das Nahrung durch einen Schlauch im Magen zu sich nimmt", sagte Ewert vor seinem Selbstmord in die Kamera. "Wenn ich das jetzt nicht mache, dann entscheide ich mich, zu leiden, das Leid meiner Familie zu verstärken und auf eine wesentlich schmerzhaftere Art zu sterben.
(Zitiert aus stern.de)

Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Hospiz Stiftung, verurteilt ihn:

Suizid ist ansteckend, Berichte darüber lösen wieder neue Suizide aus.

Der Kerkermeister ist alarmiert. Da flieht einfach einer aus dem Gefängnis seines fürchterlich sterbenden Körpers und lässt das auch noch filmen, um andere zur Nachahmung zu verführen! Sterbehilfe gehört verboten wie Ballonfahren in der DDR! Die spektakuläre Flucht einer Familie, die sich vom Wind in die Freiheit tragen ließ, statt es in dem totalitären Staat bis zu Ende auszuhalten, hatte die dortigen Gefängniswärter aufgebracht. Und das Westfernsehen berichtet auch noch davon! Reißerisch natürlich! Pfui!
Wer an Wiedergeburt glaubt, sieht im Tod nicht nur den Feind, mit dem Kontaktaufnahme und Kollaboration verwehrt sind, sondern auch eine Grenze, die überschritten werden will, um zu einem neuen, besseren Leben wiedergeboren zu werden. Ist das verboten, finden sich Fluchthelfer wie zum Beispiel Dignitas oder Kusch. Tja, Herr Brysch! Wie fühlt man sich denn als Grenzsoldat, der ohnmächtig zusehen muss, wie der Ballon in die Freiheit fliegt?

24. Januar 2009


Nachtrag  9. März 2009

Seine Formulierungen verraten ihn. Im Parlament, Organ des Bundestages, darf er erklären, warum so viele Menschen sich durch Freitod Pflegeheim oder Hospiz entziehen:

Offenbar reicht heute allein die Angst vor Pflegebedürftigkeit aus, sich dem System entziehen zu wollen.

Viele Menschen mögen eben das System nicht, in dem sie gefangen gehalten werden und stimmen mit den Füßen ab, mit einem Ballon oder Gift. Auch wenn Brysch daraus einen golden Kerker zu machen verspricht und uns sicher auch verrät, woher er im Zeichen der Finanzkrise das Geld dazu nimmt. Haben wir Systemzwang oder Selbstbestimmung in Deutschland? Wäre Bischof Dyba eine Frau gewesen und hätte mit Walter Ulbricht ein Kind gezeugt, könnte das Eugen Brysch sein.


   
 
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