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"Sarrazins Austreibung" aus den "vergifteten" Hirnen der Deutschen fordert Hans-Ulrich Jörges im STERN in seinem letzten Zwischenruf. Austreibung? Da denkt man doch an Teufelsaustreibung, katholisches Mittelalter. Und wer vor 68 autoritär erzogen wurde, erinnert sich vielleicht noch an Worte wie: "Dir werd ich die Faxen schon austreiben!" - ein Satz wie eine Zuchtrute, drohend geschwungen. So spricht man zu renitenten Zöglingen, nicht zu mündigen Bürgern einer modernen Zivilgesellschaft, denen der Islam unheimlich ist. Hat Jörges die Beherrschung verloren und sich im Ton vergriffen? Ich glaube nicht. Der erfahrene Journalist weiß, wie Begriffe wirken, und dramatisiert, um aufzurütteln, wozu er allen Grund hat:

Der demographische Wandel, die stete Alterung und Schrumpfung des deutschen Volkes, ist seit langem theoretisch erkannt. In diesem Jahrzehnt aber wird er konkret spürbar - und bedrohlich. ... Fünf Millionen erwerbstätige Menschen werden in 15 Jahren fehlen. In einigen Regionen und Branchen gibt es heute schon akuten Fachkräftemangel. Rund 41 000 Ingenieure werden gebraucht, vor allem im Maschinen- und Autobau, die den Export treiben. Bis 2020 wird Deutschland zudem rund 56 000 Ärzte und 140 000 nichtärztliche Fachkräfte im Gesundheitswesen zu wenig haben. Es muss etwas geschehen. Dringend.

Das sind wahrlich düstere Aussichten, so dass stete intensive Einwanderung, die nun einmal zu einem großen Teil islamisch ist, alternativlos erscheint - das neue Unwort benutze ich natürlich absichtlich: Es klingt wie Basta! Schluckt das endlich, ihr Träumer! Hört auf, den Niedergang zu verdrängen! Der Schöngeist Schlosser, Vorsitzender der Unwort-Jury, mag diesen Ton nicht. Ich auch nicht. Aber Jörges verdrängt seine Unruhe nicht und redet Klartext, was immer noch zu selten ist - deshalb sei ihm die "Austreibung" verziehen.

In zehn Jahren - dann bin ich 62 - fehlen also rund 200 000 Ärzte, Schwestern, Pfleger im Gesundheitswesen. Und in zwanzig Jahren, wenn ich 72 bin? Wenn man sich das ausmalt, kann einen Panik packen, und vielen, die 68 beherzt gegen Spießer und Patriarchen kämpften, kommt die unversöhnliche Freiheitsliebe der Jugend im Alter entgültig abhanden, so dass sie auf Mohammed-Karikaturen und ähnliches lieber verzichten. Und es rationalisieren: Wir sind keine Alarmisten! Und wir kriechen nicht zu Kreuz! Die Gefühle der Muslime zu beleidigen und ihre Religion herabzuwürdigen, ist nur der alte Rassismus in neuem, aufklärerischen Gewand! So macht man aus der Not eine Tugend und schont sein Selbstwertgefühl - das meint der Begriff rationalisieren. Jörges tut das nicht (meine Mutter tat es auch nicht). Er schenkt reinen Wein ein.

Gibt es wirklich keine Alternative? Vielleicht wird Deutschland wieder geteilt. Der Westen wird islamisch, im Osten, wo eine Geert-Wilders-Partei boomt, wird Einwanderung reduziert, geringere Lebenserwartung in Kauf genommen und Sterbehilfe erlaubt, aber nicht nur als Option - moralischer Druck, von ihr Gebrauch zu machen, wird in der Luft liegen. Gibt es keine anderen Alternativen? Wenn ja, wird Verzicht auf vertraute Konsumgewohnheiten, Bescheidung überhaupt dazugehören - je eher, desto besser.

Januar 2011

   
 
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